Rausgeschwommen: Beitrag zur Lernparade „Zeitgemäßes Lernen“

Ich möchte euch kurz erzählen, weshalb es sich um mein Herz herum gerade sehr warm anfühlt und was Nemo mit meiner Vorstellung von zeitgemäßem Lernen zu tun hat. Damit reiht sich dieser Blogartikel in die Lernparade „Zeitgemäßes Lernen“ auf dem wunderbaren Blog von Bob Blume, bekannt auch als Netzlehrer, ein.

In den letzten (nicht einmal) zwei Wochen hatte ich das wunderbare Vergnügen, an den Veranstaltungen ‚Fit4Tablets‘ in Garbsen und dem ‚OER Camp‘ im LISUM bei Berlin teilzunehmen. Nächste Woche geht’s nochmal nach Berlin, dann zu ‚Exciting Edu‘. Die große Flexibilität, die ich in meinem letzten Studienjahr genieße, macht das sehr unkompliziert.* Es war beide Male ein unbeschreiblich erfüllendes Gefühl, in anregend gestalteten Umgebungen auf so viele engagierte Menschen aus dem Bildungsbereich zu treffen, die auf vielen Ebenen voller Herzblut daran arbeiten, dass Schule sich wandelt. Die darüber nachdenken, wie umgesetzt werden kann, was bisher nur eine lose Idee war und sich nicht gleich entmutigen lassen. Die eine neue Lernkultur leben, in der Risiken eingegangen werden, Fehler und Probleme als Lerngelegenheit gesehen werden und, ganz wichtig, sich gegenseitig unterstützen. Und schließlich eine Perspektive auf den digitalen Wandel als spannende Herausforderung mit großem Potenzial einnehmen – nicht den Blickwinkel der weiteren Bürde.

All das macht mir unheimlich viel Hoffnung, dass wir auf einem guten Weg sind. Hoffnung, die ich nach so manchen Momenten in Schulpraktika und Studium manchmal schon fast verloren hatte.

Gleichzeitig bin ich sehr dankbar für die offene Aufnahme in den Teilnehmerkreisen der Veranstaltungen. Nie zuvor habe ich es erlebt, so gleichberechtigt aufgenommen worden zu werden. ‚Flache Hierarchien‘ hatte ich zuvor eher als leere Floskel (oder von einem schwedischen Möbelhaus) erlebt, in Garbsen und Berlin habe ich es nun endlich auch gefühlt. Das ehrliche, wertschätzende Interesse an meiner Anwesenheit und meinen Gedanken sowie der lockere Austausch mit schlauen, engagierten Menschen haben mir sehr viel bedeutet. Networking ist tatsächlich nicht nur für Menschen aus dem Management eine wichtige Sache, das kann für Lehrpersonen in der Form eines PLNs (= personal learning network/persönliches Lernnetzwerk) von mindestens genauso großer Bedeutung sein! Es ist schade, dass bisher viel zu wenige Lehramtsstudierende von den Möglichkeiten wissen, sie verpassen nämlich eine ganze Menge.

Vielen Dank auch für die Ermutigungen, mich stärker proaktiv einzubringen und aus der Rolle der Helene (lest „Barcamps & Co“ von Jöran!), die viel teilnimmt aber sich ein teilgeben nicht zutraut, zu schlüpfen. Das nächste Mal liegt meine Session nicht mehr in der heißen Arbeitsphase. Dann kommen vielleicht auch tatsächlich Interessenten. 😅

🐳 So, nun wollt ihr bestimmt endlich wissen, was es mit Nemo auf sich hat:

In diesen Tagen musste ich oft an den Film „Nemo“ denken, und das nicht nur weil zuhause wieder neue Fische eingezogen sind. Macht euch bereit für einen doppelten Boden…

Nemos Papa Marlin ist anfangs das, was wir heutzutage wohl als Helikopter-Elter bezeichnen würden: Er ist übervorsichtig, dass seinem Sohn mit der verkümmerten Flosse etwas passieren könnte. Nun ja, Marlin ist nicht besonders erfolgreich – Nemo wird von einem Zahnarzt eingefangen und sein Papa begibt sich auf eine abenteuerliche Reise, bei der er viele Dinge lernt, die in meinen Augen auch auf zeitgemäßes Lernen zutreffen, welches für mich in erster Linie eine Frage der Kultur ist. Das beginnt beim Punkt Teamarbeit (Dorie & Marlin brauchen einander und erreichen das Ziel nur durch ihre Zusammenarbeit) und geht weiter damit, dass wir uns trauen müssen, um Hilfe zu fragen und dabei hierarchisches Denken zu überwinden. Für das possierliche Fischpärchen stellen sich Haie, Schwärme großer Fische und Schildkröten als interessante und hilfreiche Weggefährten heraus, auf Schule übertragen denke ich beispielsweise an Medienscoutprojekte für Schüler*innen oder auch Barcamps als schöne Möglichkeiten, voneinander zu lernen und einen Wissensvorsprung bei Schüler*innen produktiv zu nutzen und wertzuschätzen. Hierarchien zu überwinden heißt indes keinesfalls, sich keinen Respekt mehr entgegenzubringen.

In Praktika habe ich Lehrpersonen immer wieder als Einzelkämpfer*innen erlebt; Zeit und oft auch das Interesse für Kollaboration seien nicht vorhanden, erhielt ich als Antwort. Dass es auch außerhalb der analogen Welt Möglichkeiten der Vernetzung und Zusammenarbeit gibt, ist leider auch vielen Studierenden nach wie vor kein Begriff, „Twitter ist doch nur Trumps Propagandaplattform“. Ich gebe nicht auf.

Marlin stellt schließlich fest, dass er über Nemo nicht die volle Kontrolle haben kann; er muss stattdessen lernen, ihm etwas zuzutrauen, loszulassen und Risiken zuzulassen, nach dem Motto “wenn ihm nie etwas passiert, passiert ihm ja nie etwas”. Auch wenn der große, dunkle Ozean noch so bedrohlich zu sein scheint – das gelegentliche Verlassen der wohlvertrauten Anemone lohnt sich. Für Leben (und Lernen) muss man sich aus der comfort zone wohl auch mal heraustrauen und Neues wagen, die Möglichkeit des Scheiterns eingeschlossen.  Selbst wenn wir uns unsicher sind, was sich dort, im Dunklen verbirgt und wohin die Reise geht. Das ist nicht nur für Transformationsprozesse in der Bildung von Bedeutung, bei denen wir noch nicht sicher sagen können (und es vielleicht auch nie tun werden), wo es so genau hingeht, sondern schließt auch den Kreis zu den tollen innovativen Veranstaltungen, die verstreut über Deutschland stattfinden. Ich war noch vor zwei Wochen etwas verunsichert, ob sich der Aufwand auszahlen würde und ich dort nicht total verloren gehen würde. Meine Antwort ist jetzt ein klares Ja! Deshalb: Schluss mit dem Schmoren im eigenen Saft und den verschlossenen Türen: Ab nach draußen! Einfach ’schwimmen, schwimmen, schwimmen‘. 

So, in den kommenden Tagen muss ich endlich die neuen Gedanken sortieren und in meiner heimischen Anemone an meinen frisch erworbenen markdown/Gitlab Kompetenzen feilen. Ob mir beim (Achtung Wortspiel!) AbnOERden dann automatisch Nerdbart und -brille wachsen? Noch werden Wetten angenommen!

*Fußnote: Ganz viel Liebe geht raus an meinen Freund, der mich bei meinen Bildungsausflügen unterstützt und unseren kleinen Zoo zuhause so liebevoll hütet. ❤️

Image: Photo by Silas Baisch on Unsplash

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